Böllerschützen

Brauchtum, Gegenwart, Wissenswertes


Brauchtum und Historie

Das Böllerschießen ist Pflege und Erhaltung alten Brauchtums und wird nachweislich seit Jahrhunderten ausgeübt. Es stammt aus dem Keltischen und hat sich der jeweiligen Zeit angepasst. Die einzelnen Bräuche sind sehr mannigfaltig und unterscheiden sich von Region zu Region. Man muss davon ausgehen, dass dieser alte Brauch nicht erst nach der Erfindung des Schießpulvers aufkam, sondern sein Ursprung weit vor diesem Zeitraum zu suchen ist. Der bei den Menschen tief verwurzelte Aberglaube war Ausgangspunkt für dieses Tun. Schon früher wollte man unter anderem Dämonen durch Lärm vertreiben, wobei das Erwachen der Natur nach der Wintersonnenwende ebenfalls in diesem Brauchtum übernommen wurde. Zur Ausübung dieses Treibens verwendete man davor Glocken, Peitschen oder ähnliche Dinge.

Früher war es üblich, an den bedeutendsten Raunächten der Weihnachtszeit zu schießen. Als Raunächte werden die Weihnachts-, Neujahrs-, und Dreikönigsnacht bezeichnet. Auch hier hat sich ein Wandel vollzogen. Während das Schießen in der Weihnachtsnacht und in der Neujahrsnacht beibehalten wurde, hat man das Schießen in der Dreikönigsnacht völlig eingestellt. Die ersten Hinweise auf das Weihnachtsschießen gehen auf das Jahr 1666 zurück, während sich ab dem Jahr 1377 das Schießen überhaupt nachweisen lässt. Während der Christmette werden nur sechs Salven abgegeben, die sogenannten Wandlungsschüsse. Dies sind drei bei der Elevation der Hostie und drei bei der des Kelches. Am Ende der Mette wird nochmals geschossen und so die winterliche Weihnacht begleitet.

Das Fronleichnamsfest ist ein großes Fest der Katholischen Kirche und wird alljährlich unter großer Beteiligung der Bevölkerung durchgeführt. In ganz Bayern wird geschossen. Jeweils drei Schüsse werden an jedem Altar beim Segnen abgefeuert. Zum Brauchtum gehört auch das Hochzeitsschießen. Hier wird das Brautpaar nach der Trauung, wenn es die Kirche verlässt, mit mehreren Böllerschüssen empfangen. Ein altes Brauchtum, das leider ein bisschen in Vergessenheit geraten ist, war auch das Johannesschießen, das mit der Entzündung des Johannesfeuers vorgenommen wurde. In ländlichen Gegenden wurden die Radnaben von Wagenrädern teilweise in den Boden eingegraben, mit Pulver gefüllt und anschließend zum Böllerschießen verwendet.

Vom Taufgang um 1850 wir in dem Buch „Sitten und Sagen“ geschrieben: „Aufgeputscht wird das Kleine zur Taufe getragen und während des Gesanges vom Thurme, Rats- oder Wirtshause heraus geblasen und auch angeschossen zum Zeichen der Freude der Eltern, der Ehre dem neuen Weltenbürger und den Gevattern. Mit drey Schüssen wenn es ein Knabe, mit zwey wenn es ein Mädchen ist.“ Es hätte früher als schimpflich und als schwere Beleidigung der Familie gegolten, wenn das Schießen bei Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen unterblieben wäre.

Ein weiteres Schießen findet zu besondern Anlässen statt, u.a. das Einschießen von Kirchweihen, bei Ehrungen und Geburtstagen von verdienten Mitgliedern, Fahnenweihen usw. Auch die dreifache Ehrensalve bei der Beerdigung von Kriegsveteranen und Mitgliedern der Schützenvereine wird heute noch praktiziert.

Wie erklärt sich aber dieser alte Brauch. In einem alten Soldatenlied um 1640 heißt es „Wer aber in der Schlacht, frei vor dem Feind gefallen, dem wird sein Grab gemacht, drei Salven drein erschallen.“ Vermutlich wurden aus dieser Zeit die drei Salven übernommen.

Die Zahl „drei “ bezeichnet wie sonst, so auch bei der Salve,

das Abgeschlossene,

das Vollendete,

das Vollständige:

dreimal wird etwas bekannt gegeben,

wird angefordert,

ein Lebehoch ausgebracht,

Erde auf den Sarg gestreut.

Nachdem die Kirche diesen Bräuchen nicht immer freundlich gegenüberstand, versuchte sie durch eine stärkere Bindung an den Klerus diesen Aberglauben auszutreiben. Aber als man schließlich genügend Schießpulver zur Verfügung hatte, eröffneten sich neue Wege, den Brauch lautstärker als bisher durchzuführen. In früheren Zeiten bestand nämlich die Verpflichtung der Lehensträger, sich Waffen zu beschaffen und somit einen Beitrag für die Landesverteidigung zu leisten. Durch Eintragungen von Stiftsrechnungen der Klöster Ende des sechzehnten Jahrhunderts ist nachgewiesen, dass regelmäßige Schießübungen abgehalten wurden. Schützen-Companien traten von Anfang an selbständig auf. Ihr eigentlicher Zweck bestand darin, regelmäßig an Schießwettbewerben teilzunehmen. Sie waren zu religiösen Betätigungen verpflichtet, besaßen in den Kirchen eigene Altäre, feierten den Patronentag, ließen Messen lesen und beteiligten sich an Prozessionen.

Dies trifft auch auf die „Schützen Companie der Hochgräflichen Seyboldsdorfschen Hofmark Niederaybach“ zu, wie das älteste Vereinsdokument der Gemeinde Niederaichbach aus dem Jahre 1792 beweist. Aus diesem Ursprung ist auch der Schützenverein St. Hubertus Niederaichbach entstanden. Ein 200 Jahre alter Standböller der zum Anschießen bei kirchlichen und weltlichen Feiern verwendet wurde ist heute noch erhalten.

Vermutlich wurde auch vereinzelt Unfug getrieben, so dass es wiederholt zu Schießverboten für die Böllerschützen kam. 1785 wurde ein Schießverbot wegen des Toten- und Hochzeitschießens erlassen, wobei die Strafe bei 50 Reichstalern lag bei Nichteinhaltung des Verbotes. 1787 erging ein Verbot über den Pulverkauf an die Bauern und die Abschaffung der in deren Besitz befindlichen Böller. Die Bauern benutzten das Böllerpulver unter anderem zum Sprengen der im Erdreich befindlichen Wurzelstöcke, sowie zum Wetterschießen (Vertreibung von Unwettern)

Unter anderem ist ein Erlass aus dem Jahre 1708 bekannt, nämlich das fürstliche Ratsprotokoll. In diesem ist festgelegt, dass Übeltäter in Eisen gelegt, in den Keuchen (Kerker) geworfen werden und drei Tage und Nächte bei Wasser und Brot darin zu verbleiben haben. Mehrmals mit Kartätschenhieben (Peitschen) belegt werden und die dafür anfallenden Kosten zu entrichten haben. Große Lockerungen von Schießverboten wurden immer dann vorgenommen, wenn es galt Feste der Obrigkeit durch Schießen lautstark kundzutun und der Freude Ausdruck zu verleihen.

Gegenwart

Auch heute noch wird bei Hochzeiten, Beerdigungen, Geburtstagen, Fahnenweihen, sowie am Silvester und am Neujahrstag geschossen. Ebenso das Christkindlanschießen ist in Niederbayern ein alter Brauch. Ein Böllerschütze von heute hat aber verschiedene Auflagen zu erfüllen, um überhaupt diesem Brauchtum nachgehen zu können.

  • Er muss eine Unbedenklichkeitsbescheinigung nach §34 SprengG vorlegen.
  • Er muss einen Grundlehrgang nach §32 SprengG ablegen und bestehen.
  • Er muss eine Einzelgenehmigung nach §27 SprengG besitzen.
  • Jedes Schießen in der Öffentlichkeit ist der Polizei anzuzeigen sowie von der zuständigen Gemeinde zu genehmigen.
  • Es darf nicht vor 6:00 Uhr morgens oder nach 22:00 Uhr abends geschossen werden.
  • Die Böller sind regelmäßig in einem Abstand von 5 Jahren durch das Beschußamt zu prüfen.
  • Der Prüfbericht ist dem Landratsamt vorzulegen.
  • Verstöße wie Alkohol am Steuer oder Nichteinhaltung der Bestimmungen haben den Entzug der Erlaubnis zur Folge.

Im Schützengau Landshut finden sich zur Zeit folgende Vereine die sich um den Brauchtumserhalt verdient machen:

  • Böllerschützen Altdorf
  • Böllerschützen Attenhausen
  • Böllerschützen Blumberg
  • Böllerschützen Kgl. Bayerische
  • Böllerschützen Gündlkofen
  • Böllerschützen Gundihausen
  • Böllerschützen Mirskofen
  • Böllerschützen Moosthann
  • Böllerschützen Niederaichbach
  • Böllerschützen Niedererlbach
  • Böllerschützen Pörndorf
  • Böllerschützen Zweikirchen

Kommandos und Schussfolge

  • Böllerschützen laden – Einfüllen des Pulvers
  • Böllerschützen verdämmen – Pulver mit Ladestock und Hammer gemeinsam verdichten (Verdämmen ist nur mit Korken erlaubt)
  • Böllerschützen fertig laden – Zündhütchen aufsetzen
  • Ansage der Schussfolge

Die gebräuchlichsten Schußfolgen:

  • Langsam ablaufendes Reihenfeuer: Der Schussmeister zeigt jeden Schuß/Böllerschützen einzeln an
  • Schnellablaufendes Reihenfeuer: Der Schussmeister zeigt nur den ersten Schuß/Böllerschützen in der Schützenreihe an, die nachfolgenden Böllerschützen schießen selbständig und schnell hintereinander die Reihe durch
  • Salve: Auf Kommando des Schussmeisters schießen alle Böllerschützen gemeinsam
  • Doppelschlag: Die Böllerschützen schießen paarweise. Der Schussmeister zeigt jeweils den ersten Schuß pro Paar an, der 2.Böllerschütze schießt dann sofort nach

Adressen

Böllerschützen Edelweiß Altdorf
Schussmeister
Anton Bachhuber
Osserstraße 34
84030 Landshut
Telefon 0871 78501
Böllerschützen Hubertus Altdorf
Schussmeister
Markus Weinberger
Eichendorffstraße 11
84032 Altdorf
Telefon 0179 8245509
Böllerschützen Attenhausen
Schussmeister
Siegfried Franz
Dr. Gros-Straße 7
84079 Bruckberg
Telefon 08766 1444
Böllerschützen Blumberg
Schussmeister
Karl Kolb
Oberpettenbach 1
84166 Adlkofen
Telefon 08707 1073
Kgl. Bayerische Böllerschützen
Schussmeister
Josef Pöschl
Berndorf 3
84036 Kumhausen
Telefon 0871 9453127
Böllerschützen Gündlkofen
Schussmeister
Bernhard Pröls
Schulstraße 16
84079 Gündlkofen
Telefon 0175 2538737
Böllerschützen Gundihausen
Schussmeister
Georg Grichtmeier
Vilstalstraße 65
84186 Vilsheim
Telefon 08706 360
Böllerschützen Mirskofen
Schussmeister
Jörg Paulukuhn
Bergstraße 8
84051 Mirskofen
Telefon 08703 91167
Böllerschützen Moosthann
Schussmeister
Johann Schwimmbeck
Unterköllnbach 10
84103 Postau
Telefon 08702 1005
Böllerschützen Niederaichbach
Schussmeister
Josef Ritzinger
Am Weiher 1
84100 Niederaichbach
Telefon 08702 2697
Böllerschützen Niedererlbach
Schussmeister
Hans Pritzl
Erlbachtaler Straße 50 E
84172 Buch am Erlbach
Telefon 08709 1025
Böllerschützen Waldeslust Pörndorf
Schussmeister
Verena Kellner
Flurstraße 7a
84079 Bruckberg
Telefon 0160 97997529
Böllerschützen Zweikirchen
Schussmeister
Peter Kaltenbacher
Dorfstraße 22
84184 Zweikirchen
Telefon 08705 1699

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